6. türkisch-deutsches Literaturfestival in Essen und im Ruhrgebiet

28.09. - 5.10. 2010

www.Grend.de
Die Idee

LiteraTürk - Idee und Konzept

Seit 2005 findet Literatürk jährlich im Oktober in Essen statt. Die Idee, ein türkisch-deutsches Literaturfestival zu initiieren, geht zurück auf eine Recherche hinsichtlich kultureller Angebote für die türkischstämmige Bevölkerung in der Stadt Essen. Festgestellt wurde, dass es vor allem an qualitativ guten Veranstaltungen für die zweite bzw. dritte Einwanderergeneration mangelt. Im Zusammenhang damit steht eine geringe Kenntnis der Vielfalt türkischer und türkischdeutscher Kultur und Kunst in der BRD im allgemeinen. Im Hinblick auf die Literatur sind türkischdeutsche und türkische Autorinnen und Autoren, außer ein paar repräsentative Ausnahmen, hierzulande nach wie vor wenig beachtet.

Ein Podium für die türkisch-deutsche Literatur


Literatürk will dazu beitragen, dass dieses Defizit von Jahr zu Jahr ein wenig mehr behoben wird und sich die türkischdeutsche und türkische Literatur im deutschen Literaturbetrieb etabliert. Wir wollen zeigen, dass türkischdeutsche Literatur nicht auf die Thematisierung autobiografischer Identitätsproblematik zu reduzieren ist, sondern wie jede künstlerische Form viele Stile und Inhalte bietet. Ein speziell türkischdeutsches Literaturfestival trägt dazu bei, türkischdeutsche Literatur zu fördern und ihren Verfasserinnen und Verfassern ein Podium zu bieten.

Die Produktivkraft der Einwanderung fördern


Literatürk ist jedoch in gleicher Weise ein Festival für die Menschen der Stadt Essen und darüber hinaus. Literatürk soll Raum für Dialoge zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen bieten und auf diese Weise Integration von innen heraus bewirken. Wir wenden uns gegen eine Politik die meint, Integration könne durch Fragebögen und Pflichtkurse erzwungen werden und die eine konstruierte deutsche Leitkultur als Maßstab setzt. Am Beispiel der Vielfalt der interkulturellen künstlerischen Ausdrucksformen wollen wir auch deutlich machen, dass Deutschland nicht von einwandernden Kulturen bedroht, sondern produktiv bereichert wird.

Dialog und Begegnung


In diesem Sinne verfolgt Literatürk ein Konzept der gegenseitigen Annäherung. Bei den Recherchen wurde – neben den kulturellen Defiziten – auch ein Mangel an kulturellen Orten konstatiert, die sowohl von der deutschen als auch von der türkischstämmigen Bevölkerung besucht werden. Literatürk legt Wert darauf, die Veranstaltungen gleichermaßen an Orten der „türkischen Community“ wie der deutschen Mehrheitsgesellschaft anzubieten. Wir wollen damit kultureller Nischenbildung und Separation entgegenwirken, Berührungsängste abbauen und eine beidseitige Annäherung herbei führen. Als Teil dessen betrachten wir es als wichtig, uns aus dem Zentrum der Stadt hinauszubewegen und auch in denen für den kommerziellen Kulturbetrieb eher uninteressanten Stadtteilen am Rand qualifizierte Literaturveranstaltungen anzubieten.


Interkulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen


Einen weiteren Schwerpunkt setzt Literatürk auf die interkulturelle Bildung von Kindern und Jugendlichen. Mit Hilfe von Schullesungen, Schreibworkshops und Kinder- und Jugendveranstaltungen will Literatürk ein selbständiges Interesse an Literatur fördern und Anregungen zum eigenständigen Verfassen von Texten geben. Wir wollen der Unterrepräsentanz von deutsch-türkischer Literatur im Unterricht entgegen wirken und Kindern und Jugendlichen Identifikationsmöglichkeiten mit Autoren und Autorinnen verschaffen, die Teile ihrer eigenen Lebensrealität spiegeln. Ebenso soll deutschstämmigen Kinder und Jugendliche die Interkulturalität unserer Gesellschaft nahe gebracht werden.

Die Kunst ist international


Literatürk will sowohl in der interkulturellen Bildung als auch hinsichtlich der literarischen Künste deutschtürkische und türkische Literatur als bisher wenig beachtete fördern. Diese spezielle Förderung soll letztendlich dazu beitragen, dass deutschtürkische Literatur überall dort zu finden ist, wo sich mit deutscher Literatur beschäftigt wird und wo sie etabliert ist: auf den Festivals ebenso wie in den germanistischen Bibliotheken, den Buchmessen, der Literaturwissenschaft und den Literaturzeitungen.